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Galeeren in der Ostsee: Konteradmiral Bolitho vor Kopenhagen - Kent Alexander - Страница 2


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Bolitho schaute sich fluchtig im Raum um. Es war dasselbe Zimmer, in dem er vor neunzehn Jahren sein erstes selbstandiges Kommando erhalten hatte, und in mancher Beziehung war das der Tag in seinem Leben, an den er sich am besten erinnern konnte. Hier hatte er Thomas Herrick kennengelernt, der sein Erster Offizier und getreuer Freund geworden war. Auf demselben Schiff hatte er John Neale angetroffen, damals ein zwolf Jahre alter Seekadett. Neale gehorte jetzt seinem Geschwader an, als Kommandant einer Fregatte.

«Erinnerungen, Bolitho?»

«Aye, Sir. An Schiffe und Gesichter.»

Das enthielt alles. Bolitho war — wie Neale — als Zwolfjahriger zur See gegangen. Nun war er Konteradmiral — ein Traum hatte sich erfullt. Zu oft hatte er dem Tod ins Auge geschaut, zu oft waren andere neben ihm gefallen, da gewohnte man es sich ab, uber den nachsten Monat, das nachste Jahr hinaus Plane zu schmieden.

«Ihre Schiffe sind alle versammelt, Bolitho. «Es war eine Feststellung.»Also wollen wir keine Zeit verlieren. Gehen Sie in See mit ihnen, exerzieren Sie, wie Sie es gelernt haben, und so lange, bis die Leute Sie zum Teufel wunschen. Aber eisenhart mussen die Kerle dabei geworden sein.»

Bolitho lachelte zustimmend. Er ware lieber heute als morgen ausgelaufen. An Land hielt ihn nichts mehr. Er war in Falmouth gewesen, hatte sein Haus und sein Gut besucht. Es hatte ihn — wie jedesmal — innerlich bewegt, da? das Haus auf irgend etwas zu warten schien. Mehrmals hatte er im Schlafzimmer vor ihrem Portrat gestanden. Er hatte ihre Stimme vernommen, ihr Lachen gehort. Und er hatte sich nach dem Madchen gesehnt, das er geheiratet und kurz darauf durch einen tragischen Unfall verloren hatte: Cheney. Er hatte ihren Namen ausgesprochen, als ob er ihr Bild damit lebendig machen konnte. Und als er weggegangen war, um nach London zu fahren, hatte er sich in der Tur noch einmal umgedreht, um ein letztes Mal ihr Gesicht zu sehen: ihre meergrunen Augen, die der See unterhalb von Pendennis Castle glichen, ihr wehendes Haar, das die Farbe junger Kastanien hatte. Und es war, als hatte auch sie ihm nachgeschaut.

Er schuttelte die wehmutigen Gedanken ab und erinnerte sich des einzigen erfreulichen Erlebnisses wahrend dieser Tage, als Herrick mit seiner alten Lysander nach England zuruckgekehrt war. Herrick hatte, ohne lange zu zogern, die Witwe Dulcie Boswell geheiratet, die er am Mittelmeer kennengelernt hatte.

Bolitho hatte die Reise zu der kleinen normannischen Kirche am Wege nach Canterbury bereitwillig unternommen. Die Kirchenbanke waren mit Herricks Freunden und Nachbarn gefullt gewesen, dazwischen leuchtete viel Blau und Wei? von den Uniformen seiner Marinekameraden.

Bolitho hatte sich irgendwie ausgeschlossen gefuhlt; dies Gefuhl lastete noch schwerer auf ihm, als er sich seiner eigenen Hochzeit in Falmouth erinnerte, bei der Herrick sein Trauzeuge gewesen war.

Als die Kirchenglocken zu lauten begannen, als Herrick sich vom Altar abwandte und — die Hand seiner Braut auf dem goldbestickten Armelaufschlag — dem Ausgang zuschritt, war er bei Bolitho kurz stehengeblieben und hatte schlicht gesagt:»Da? Sie hier sind, hat diesen Tag fur mich vollkommen gemacht.»

Nun drangte sich Beauchamps Stimme wieder dazwischen.»Ich hatte gerne noch mit Ihnen gegessen, aber ich mu? mit dem Hafenad-miral reden. Au?erdem haben auch Sie sicher noch viel zu tun. Ich bin Ihnen aus vielen Grunden zu Dank verpflichtet, Bolitho. «Dabei zog ein scheues Lacheln uber sein Gesicht.

«Nicht zuletzt dafur, da? Sie meinen Vorschlag fur Ihren Flaggleutnant angenommen haben. Ich bin seiner hier in London etwas uberdrussig.»

Bolitho dachte, da? es wohl noch einige Grunde mehr fur diese Bitte gegeben hatte, aber er au?erte sich nicht dazu. Statt dessen sagte er:»Ich verabschiede mich also, Sir. Und vielen Dank, da? Sie mich gerufen haben. «Beauchamp antwortete nur mit einem Achselzucken. Es schien, als koste ihn schon das eine physische Anstrengung.»Es war das mindeste, was ich fur Sie tun konnte. Sie kennen Ihre Befehle. Wir haben Ihnen keine bequeme Seereise ausgesucht, aber dafur hatten Sie sich auch kaum bedankt, eh?«Er lachte in sich hinein.»Halten Sie die Augen offen, es konnte Verdru? geben. «Damit sah er Bolitho fest an.»Mehr sage ich nicht. Aber Ihre Taten, Ihre Auszeichnungen, so wohlverdient sie waren, haben Ihnen auch einige Feinde gemacht. Ich warne Sie. «Er streckte die Hand aus.»Nun hinaus mit Ihnen, und beherzigen Sie, was ich gesagt habe.»

Bolitho verlie? den Raum und ging an einer ganzen Reihe Leute vorbei, die daraufwarteten, bei dem grimmigen kleinen Admiral vorgelassen zu werden, um sich Rat zu holen, Unterstutzung zu erbitten oder auch nur, um neue Hoffnung zu schopfen.

Am Fu? der Treppe, nahe einer uberfullten Kaffeestube, wartete Allday auf ihn. Wie immer. Er wurde sich nie andern. Mit demselben breiten Grinsen auf dem biederen Gesicht, wie stets, wenn er vergnugt war. Er hatte etwas zugenommen in letzter Zeit, dachte Bolitho, aber er stand wie ein Fels. Bolitho lachte in sich hinein. In jedem anderen Fall hatte der Hausdiener einen einfachen Bootssteurer nach hinten in die Kuche oder — wahrscheinlicher noch — in die Kalte hinausgeschickt. Nicht jedoch Allday. Der sah in seinem blauen Rock mit den vergoldeten Knopfen, den neuen Kniebundhosen und blanken Lederstiefeln Zoll fur Zoll wie der Bootssteurer eines Admirals aus.

Allday hatte drei Jahre gebraucht, um sich an die Anrede >Sir< zu gewohnen. Vorher hatte er Bolitho einfach mit >Captain< angeredet. Nun mu?te er sich an einen Konteradmiral gewohnen. Erst am Morgen, als sie vom Hause eines Freundes, bei dem Bolitho ein paar Tage zu Besuch gewesen war, nach Portsmouth aufgebrochen waren, hatte Allday frohlich gesagt:»Macht nichts, Sir. Bald werden Sie >Sir Ri-chard< sein, und auch daran werde ich mich gewohnen!»

Nun half ihm Allday in seinen langen Bootsmantel und sah zu, wie er sich den Dreispitz fest auf das schwarze Haar druckte.

«Dies ist ein gro?er Augenblick, nicht wahr, Sir?«Er wiegte den Kopf.»Wir haben einen langen Weg zuruckgelegt.»

Bolitho sah ihn mit Warme an. Allday fand stets das treffende Wort. Wann und wo auch immer, bei Sturm oder Flaute. In schwierigen Lagen und Todesgefahr: Allday war immer da. Bereit zu helfen, seinen Witz ebenso wie seinen Mut einzusetzen. Er war ein wirklicher Freund, wenn er es auch manchmal darauf anlegte, Bolitho zu reizen.

«Aye. Irgendwie kommt es mir vor, als beginne alles noch einmal von vorne.»

Bolitho betrachtete sich kurz im Wandspiegel neben dem Eingang, genau wie damals, als er als frisch gebackener Kommandant der Fregatte Phalarope hier herausgekommen war. Damals war er junger gewesen als der jungste Kommandant seines jetzigen Geschwaders.

Er dachte plotzlich an das Landhaus, in dem er zu Besuch gewesen war, und erinnerte sich an eines der Dienstmadchen, ein hubsches Madchen mit flachsblonden Haaren und schmucker Figur. Er hatte Allday mehrmals mit ihr zusammen gesehen, und der Gedanke beunruhigte ihn. Allday hatte sein Leben oft genug riskiert und Bolithos mehr als einmal gerettet. Nun ging es wieder hinaus, und Allday mu?te wegen seiner hartnackigen Anhanglichkeit mit.

Bolitho spielte mit dem Gedanken, ihm eine Chance zu geben, ihn nach Falmouth zu schicken, wo er in Frieden leben, am Ufer Spazierengehen und mit anderen ehemaligen Seeleuten sein Bier trinken konnte. Allday hatte mehr als seine Pflicht fur England getan. Es gab unzahlige andere, die nie ihr Leben riskiert hatten, die nie bei Sturm oben in einem Mast herumgeklettert waren oder an den Kanonen gestanden hatten, wenn die Luft voll Eisen war.

Er schaute in Alldays Gesicht und entschied sich anders. Es wurde ihn verletzen und argern. Er selber hatte genauso empfunden. Bolitho sagte:»Manche Vater werden auf den Seemann scharf sein, der ihren Tochtern zu nahegetreten ist, nicht wahr, Allday?«Ihre Blicke trafen sich. Es war ein Spiel, das beide sehr gut beherrschten.

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