Выбери любимый жанр

Der Piratenfurst: Fregattenkapitan Bolitho in der Java-See - Kent Alexander - Страница 2


Изменить размер шрифта:

2

Mitten in der Hektik der Uberholungsarbeiten bekam er unerwartet Besuch von Konteradmiral Sir John Winslade, demselben, der ihn im Admiralitatsgebaude empfangen hatte. Er war ziemlich wortkarg gewesen, hatte das Schiff und Bolithos Vorbereitungen fluchtig inspiziert und dann beilaufig bemerkt:»Inzwischen kann ich Ihnen wenigstens so viel sagen: Sie segeln nach Indien. Mehr darf ich Ihnen im Moment nicht verraten. «Sein Blick glitt uber die Takler, die in den Wanten und auf den Rahen werkten, und er fugte trocken hinzu:»Ich kann nur in Ihrem Interesse hoffen, da? Sie rechtzeitig fertig werden.»

Winslades Andeutungen waren keineswegs leichtzunehmen. Offiziere auf Halbsold gab es, so viele man wollte. Aber ein Schiff des Konigs zu bemannen, ohne da? der Druck eines Krieges dahinterstand und Pre?kommandos eingesetzt werden konnten — das war etwas vollig anderes. Und ware Bolitho nicht der Mann gewesen, der er nun einmal war, so hatte er in Versuchung geraten konnen, das Ziel der Reise so lange geheimzuhalten, bis genugend Matrosen die Musterrolle

* Kleine Inselgruppe der Franzosischen Antillen (der Ubersetzer).

unterschrieben hatten und dann nicht mehr entwischen konnten.

Er hatte die ublichen, in blumenreicher Sprache abgefa?ten Flugblatter in Portsmouth und Umgebung verteilen lassen. Er hatte Werbekommandos ins Binnenland bis nach Guildfort, das auf halbem Wege nach London lag, ausgeschickt, aber ohne viel Erfolg. Und jetzt, als er hinter der Admiralitatsordonnanz auf eine hohe, goldverzierte Tur zuging, fehlten der Undine immer noch funfzig Mann an der Sollstarke.

In anderer Hinsicht hatte Bolitho mehr Gluck gehabt. Der vorige Kapitan der Undine hatte sein Stammpersonal scharf im Auge behalten. Als Bolitho das Schiff ubernahm, fand er einen harten Kern altgedienter Matrosen vor, sowie alle Deckoffiziere, einen erstklassigen Segelmacher und den geschicktesten Schiffszimmermann, dem er jemals bei der Arbeit zugesehen hatte. Bolithos Vorganger hatte den Dienst bei der Marine endgultig quittiert, um sich einer parlamentarischen Karriere zu widmen. Oder wie er es ausgedruckt hatte:»Ich habe die Nase voll davon, mit Stahl und Eisen zu kampfen. Von jetzt ab, junger Freund, kampfe ich mit Verleumdungen.»

Konteradmiral Sir John Winslade stand mit dem Rucken zum Kaminfeuer und hielt sich die Rockscho?e auseinander, um moglichst viel von der Warme abzubekommen. Kaum jemand wu?te Genaueres uber ihn. Irgendwie hatte er sich durch eine Einzelaktion vor Brest ausgezeichnet, und daraufhin hatte er eine ansehnliche Position in der Admiralitat bekommen. An seinem bleichen, vornehmen Gesicht war nichts Auffalliges. Tatsachlich sah er so unauffallig aus, als truge nicht er seinen goldbetre?ten Rock, sondern der Rock ihn.

Bolitho war erst siebenundzwanzig Jahre alt; aber er hatte schon zwei Kommandos innegehabt und wu?te mit Stabsoffizieren gut genug Bescheid, um sie nicht nach dem Au?eren zu beurteilen.

Winslade lie? seine Rockscho?e fallen und wartete, bis Bolitho zu ihm herangetreten war. Dann streckte er ihm die Hand hin und sagte:»Sie sind punktlich, das ist gut. Wir haben viel zu besprechen. «Er trat an ein zierliches Lacktischchen.»Ein Glas Wein?«Jetzt erst lachelte er. Es war ein Lacheln wie der blasse Sonnenschein drau?en: sparlich und schnell vorbei.

Er zog einen Stuhl fur Bolitho heran.»Auf Ihre Gesundheit, Captain. «Und als sie getrunken hatten:»Ich nehme an, Sie wissen, warum ich Sie fur dieses Kommando angefordert habe?»

Bolitho rausperte sich.»Ich war der Ansicht, Sir, weil Captain Steward in die Politik geht, benotigen Sie einen neuen. .»

Wieder lachelte Winslade, etwas verkniffen diesmal.»Bitte, Bolitho! Bescheidenheit auf Kosten der Aufrichtigkeit macht die Sache nur topplastig. Daruber sind Sie sich doch klar?»

Er nippte an seinem Glas und fuhr im gleichen trockenen Ton fort:»Bei dieser Mission mu? ich mich auf den Kapitan der Undine vollkommen verlassen konnen. Sie werden auf der anderen Seite der Welt stationiert sein. Ich mu? wissen, was Sie denken, damit ich, wenn ich zu gegebener Zeit eine bestimmte Depesche erhalte, auch entsprechend handeln kann.»

Bolitho versuchte, sich zu entspannen.»Danke. «Er lachelte etwas unsicher.»Fur Ihr Vertrauen, meine ich.»

«Gewi?. «Winslade griff nach der Karaffe.»Ich kenne Ihre Herkunft, Ihre dienstlichen Leistungen, speziell im letzten Krieg gegen Frankreich und seine Alliierten. Uber Ihr Verhalten auf dem amerikanischen Kontinent liegt ein sehr gunstiger Bericht vor. Ein ausgewachsener Krieg und eine blutige Rebellion in Amerika mussen eine gute Schulung fur einen so jungen Kommandanten gewesen sein. Doch dieser Krieg ist aus und vorbei — «, wieder das fluchtige Lacheln,»- aber wir, oder wenigstens einige von uns, wollen jetzt nach Moglichkeit verhindern, da? wir je wieder in eine so hilflose Pattsituation geraten.»

«Aber wir haben doch den Krieg nicht verloren, Sir!«rief Bolitho.

«Wir haben ihn auch nicht gewonnen. Und das ist das Wesentliche.»

Bolitho mu?te unwillkurlich an die letzte Seeschlacht denken: das Schreien und Brullen auf beiden Seiten, das Krachen der Geschutze und der fallenden Spieren. So viele hatten an diesem Tag den Tod gefunden. So viele vertraute Gesichter wurden einfach ausgeloscht. Und manche, die ubriggeblieben waren wie jene beiden zerlumpten Soldaten mu?ten jetzt sehen, wie sie ihr Leben fristen konnten.»Wir taten unser Bestes, Sir«, sagte er gedampft.

Der Admiral sah ihn nachdenklich an.»Das stimmt. Sie haben vielleicht den Krieg nicht gewonnen, aber Sie haben uns eine gewisse Frist verschafft. Zeit, um zu Atem zu kommen und den Tatsachen ins Gesicht zu sehen.»

«Sie denken, da? der Friede nicht lange dauern wird, Sir?»

«Ein Feind bleibt immer ein Feind, Bolitho. Nur die endgultig Besiegten sind friedlich. O ja, wir werden wieder kampfen, seien Sie sicher. «Er setzte sein Glas nieder und fragte in scharfem Ton:»Und nun Ihr Schiff. Sind Sie soweit?»

Bolitho hielt seinem Blick stand.»Mir fehlen immer noch Seeleute, aber das Schiff selbst ist so klar, wie es nur sein kann. Vor zwei Tagen habe ich es aus der Werft schleppen lassen; jetzt liegt es in Spithead vor Anker, bis aller Proviant an Bord ist.»

«Wie viele Leute fehlen Ihnen?»

Funf Worte nur, aber da gab es kein Drumherumreden.

«Funfzig, Sir. Aber meine Offiziere bemuhen sich weiter.»

Der Admiral verzog keine Miene.»Aha. Nun, das ist Ihre Sache. Ich werde Ihnen ein Patent zur Anwerbung von Freiwilligem auf den Gefangnishulken[1] im Hafen von Portsmouth besorgen.»

«Traurig, da? wir auf Straflinge angewiesen sind«, warf Bolitho ein.

«Es sind Manner — mehr brauchen Sie im Moment nicht. Wie die Dinge liegen, tun Sie vielleicht manchem dieser armen Teufel etwas Gutes damit. Die meisten sollten in die amerikanischen Strafkolonien verschifft werden. Jetzt, da wir Amerika los sind, mussen wir uns nach anderen Moglichkeiten umsehen. Man spricht von der Botany Bay in Neu-Holland; aber das kann naturlich blo? ein Gerucht sein.»

Er stand auf und trat ans Fenster.»Ich kannte Ihren Vater und war sehr betrubt, als ich von seinem Tod horte. Er starb, als Sie in Westindien waren, glaube ich?«Er wartete die Antwort nicht ab.»Gerade dieser Auftrag ware etwas fur ihn gewesen. Da hatte er sich so richtig beweisen konnen: auf sich selbst angewiesen und auf Sofort-Entscheidungen, die ihren Urheber vernichten konnen, wenn sie falsch sind. Alles das, wovon ein junger Fregattenkapitan traumt — hab' ich recht?«»Jawohl, Sir. «Bolitho erinnerte sich deutlich daran, wie sein Vater bei ihrem letzten Zusammensein ausgesehen hatte. Am selben Tage war er mit der Phalarope nach Westindien abgesegelt. Ein muder, gebrochener Mann, den der Verrat seines altesten Sohnes verbittert hatte. Hugh war sein Augapfel gewesen. Er war funf Jahre alter als Richard, ein geborener Spieler und Abenteurer, und schlie?lich hatte er einen Kameraden, einen Offizier, im Duell getotet. Schlimmer noch: er war nach Amerika geflohen,

вернуться

1

Hulk = entmasteter Schiffsrumpf; im weiteren Sinne: altes, nicht mehr seetuchtiges Schiff (der Ubersetzer).

2
Литературный портал Booksfinder.ru